Hilfen zur nutzung graphischer Oberflchen fr 
Sehbehinderte

Grobilddarstellungssysteme Windows-kompatibel 
Ulrich Zeun
 
Einleitung

Kein Grobildsystem oder -software wird mehr bestehen knen, wenn es 
nicht Windows vergrern kann. Ich werde im Folgenden auch in Bezug zum 
Tagungsthema nicht auf Systeme eingehen, die nur DOS-Applikationen 
vergrern (Audiodata-Groschrift, Visulex-LPD [soweit noch erhltlich])

In dieser Arbeitsgruppe mchte ich vorab die erhltlichen Systeme nennen, 
Anforderungskriterien an Grobildsysteme auflisten, wobei die wichtigesten 
herausgehoben werden (der gesamte Kriterienkatalog steht als Checkliste 
zur Verfgung), anschlieend einige Vor- oder Nachteile einzelner Systeme 
nennen. Zu den einzelnen Gerten sollen in naher Zukunft nach den Kriterien 
ausgefllte Checklisten vorgelegt werden. Zur Bewertung der Systeme kann 
ggf. auch diese Arbeitsgruppe beitragen.
	Dies soll geschehen, indem wir 
  zum einen die Kriterien anhand eigener Erfahrungen und Wnsche 
erweitern bzw. diskutieren und
  zum anderen Anwendungserfahrungen zu den einzelnen 
Grobildsystemen austauschen, um die Praxiserfahrungen anderer 
Benutzer mit in die o.g. Checklistenbgen einzubringen.

Wir knnen als AG-Ergebnis dann evtl. einen erweiterten Kriterienkatalog 
oder Forderungskatalog vorlegen.


Welche Grobilddarstellungssysteme sind auf dem 
deutschen Markt

Grundstzlich gibt es zwei Varianten
a) die reinen Software-Grobildsysteme (Vergrerungsprogramme)
b) Steckkartenlsungen

Zu den Softwarelsungen zhlen:
  LP-DOS 5.1a (a. als LP-Audio vertrieben)
  Zoomtext 5.0 (a. als Macroplus/S vertrieben)
  MagicDeluxe 1.32
  Lunar (for Win dows) 2.0
  Magnus 1.06

Unter die Steckkartenlsungen fallen
  Argus 2002 bzw. 3000 (a. als Multiview vertrieben)
  GTX III
  Vista VGA
  WinMag (Magnicomp)

Eine Sonderrolle nimmt derzeit das System Virgo (Fa. BAUM)ein, da 
hingegen der anderen Vergrerungssysteme nicht mit einem Pixelzoom 
arbeitet, sondern als Windowssystem fr die Braillezeile mit dem sog. Off-
Screen-Prinzip arbeitet, d.h. die Daten im Rechner abfngt undinterpretiert, 
bevor sie zu einzelnen Grafikpunkte umgewandelt werden.
	Beim Argus mchte man zuknftig ber eine Bildschirmabtastende 
Texterkennung (OCR) die Textdaten erfassen und so wahrnehmungs-
freundlicher gestaltbar auf den Monitor weiterleiten. Diese Entwicklung ist 
aber noch im Gange.

Weitere Windows-Vergrerungs-Systeme, die auf dem deutschen Markt 
vertrieben werden, sind mir nicht bekannt. Es gibt allerdings noch einige 
andere, in Deutschland nicht erhltliche, Systeme (vgl. Literatur) sowie DOS-
Vergrerungssyteme (s. Literatur).

Anforderungskriterien an Grobildsysteme

Bei dem Tests von Vergrerungssystemen arbeite ich seit einigen Jahren 
mit einer Checkliste die reichhaltige Funktionskriterien beinhaltet, die 
meiner Meinung nach fr ein System wichtig und fr die Auswahl 
entscheidend sein knnten. Dennoch werden hioer und da einige Aspekte 
fehlen. Die Kriterien gelten fr Funktionen unter DOS-Text-sowie DOS-
Grafikanwendungen und Windows-anwendungen. ber weitere grafische 
Benutzeroberflchen wie OS/2 oder Apple-Macintosh liegen mir keine 
Erfahrungen vor; fr grafische Benutzeroberflchen von, ATARI oder X-
Windows sind mir keine Grobildsysteme bekannt.
	Aus der ihnen vorliegenden Checkliste mchte ich einige Punkte 
besonders erwhnen


Checkliste - Grobilddarstellungssysteme 
System und Vertrieb


Grobild-System / 
Modellbezeichnung


Hersteller / Vertreiber


ungef. Preis (in DM)


Bedienelement des Systems


Kombination mglich mit:
(ungef. Preise in DM)
Kamerabild:synchron. 
Sprachausgabe:

Kompabilitt

Hardwarekompabilitt (Rechnersystem)


Hardwarekomponente des Gro-
bildsystems / Hardwarevoraus-
setzungen des Anwendungs-
rechners 


Grafikkartenkompabilitt


Kompabilitt zu Betriebssystemen 
und Benutzeroberflchen


untersttze Auflsungen
DOS:
Grafik:
Windows:

Software des Systems im Arbeits-
speicher (Bedarf bei Auslagerung des 
Programm in hhere Speicherbereiche)


Windows-Vergrerung allein 
startbar


Darstellung des Grobildes

Vergrerungsstufen / -art
DOS:
Grafik:
Windows:

Grobildfensterarten
DOS:
Grafik:
Windows:

Anzeige der Position des Gro-
bildfenster im oder relativ zum 
Originalbild (Locator)


Wahl der Locatorformen und -
farben


Grobildfensterrahmenbreite 
nderbar


Fenster fixierbar auf bestimmter 
Bildschirmposition


Freies Rollen ber Bildschirm 
(Abkopplung vom aktuellen Cursor)


Bildschirm-Schriftgestalt

Eigene Schriftstze
DOS:
Grafik/Windows:

bentigte Zeit fr Laden einer 
neuen Schrift


Buchstabenabstand 
nderbar(Zeichen strecken, 
verbreitern)
DOS:
Grafik/Windows:

Zeilenabstand nderbar
DOS:
Grafik/Windows:

Farbauswahl


Originalfarben oder eigene 
Auswahl (zweifarbig) mglich
DOS:
Grafik:
Windows:

Schrift/Bild zu Hintergrund: 
Farbvarianten
DOS:
Grafik:
Windows:

Darstellung von Schriftattributen
DOS:
Grafik/Windows:

Umkehr-/Negativbild
DOS:
Grafik:Windows:

getrennte Farbwahl fr 
Grobildfenster und Originalbild


Orientierung auf dem Bildschirm

Sprung zwischen Vergrerung 
und berblick


Sprung zu definierten Bild-
schirmpositionen


Einblendung eines fixen zweiten 
Grobildfensters


Zeilenumbruch nach Grobild-
fenstergre


Schreibmarke / Cursor / Zeiger

Cursorform/-gre nderbar 
(Cursorstrich/balken, Pfeil, Doppelpfeil, I-Balken, 
Eieruhr etc.)
DOS:
Grafik:
Windows :

Cursorfarbe nderbar


Cursorverfolgung ein/aus 
(Hard-, Soft-, versteckte Cursor)


Ausschlu bestimmter Bildschirm-
bereiche fr die Cursorverfolgung


Softcursorverfolgung


Grafikcursorverfolgung


Windows-Cursorverfolgung
(weiches Rollen, Hpfen bei Mausbewegung) 
(Mausbewegung zentriert, relativ zum 
Ausschnitt)


eigene Definition von Softcursorn


Cursor-Routing (Sprung des Cur-
sors an Grobildfensterposition)


Laufschrift- / Lesemodus 

Fensterart:


Zeilenabdeckung (elektronische Kulisse)


Bewegungsrichtung:


Geschwindigkeit


weiches/ruckendes Scrollen: 


Ausblendung von Leerzeichen


Auswahlen / Einstellungen


Funktionsauswahl ber  
Men/Kurztasten


Speicherung


Ergonomie des Bedienelements


Benutzerfhrung

Menfhrung


visuelle Meldungen


akustische Meldungen


Hilfe-Texte


Handbuchgestaltung






Aspekt der Kompabilitt
Die Grobildsysteme sind alle zu Windows 3.1 kompatibel, ob es 
Schwierigkeiten mit dem neuen Windows 95 gibt, mu nunmehr getestet 
werden.
	Wichtig ist bei Windows vor allem welche Auflsung genutzt werden 
kann. Und hier zeigt sich, da fast immer die Standard-Auflsung von 640 x 
480 erforderlich ist. Zudem mu die Grafikkarte entweder den Standard-
VGA-Treiber nutzen oder von der Vergrerungssoftware wird ein eigner 
VGA-Treiber installiert, auer bei Zoomtext. Bei Super-VGA-Karten u.. ist 
auf alle Flle ein Vorabtest notwendig, der Leistungsumfang der SVGA-Karte 
wird wahrscheinlich durch die Grobildsysteme einsgeschrnkt. Die 
Steckkarten (nmlich Grafikkarten)-Systeme gehen dem von vornherein aus 
dem Weg, bieten aber auch nur Standard-VGA-Modus.

Wichtig kann es auch fr den Anwender sein, da die Windwos-Vergr-
erung ohne vorheriges Starten der DOS-Vergrerung funktioniert 
(Zoomtext, Magnus; von Software-Laden unabhngig: GTX, Argus [Winmag, 
Vista ??]), somit Windows zunchst ohne Vergrerung gestartet werden 
kann.

Grobildausschnitt und Orientierung auf dem Bildschirm
Bereits bei zweifacher Vergrerung wird die Orientierung ber eine 
grafische Benutzeroberflche schwierig. Daher sind drei Kriterien fr die 
arbeit wichtig:
a) Grobildausschnittsfensterart
b) Positionsanzeiger (Locator) und 
c) Cursorverfolgung

a) Neben dem Gesamtfenster sollte es ein Lupenfenster mit variabler Gre 
(vernderbar auch zu Zeilenform) ber dem Original-1:1-Bild geben 
(Zoomtext, Magic, Argus, Vista) oder ein gezeiltrer Bildschirmaufbau mit 
einem festen Vergrerungsfenster (mglichst sollte die Position oben oder 
unten whlbar sein) und einem komprimierten Originalbildschirmfenster 
(Argus; ohne Komprimierung des Originals: Zoomtext, WinMag, Vista) .
	Beide Varianten ermglichen eine Vergrerung bei annhernd 
gleichzeitigem berblick ber das Gesamtbild.

b) zur Orientierung der momentanen Position des Grobildes im Original 1:1 
dient ein Positionsanzeiger (Locator). Hier kommt es darauf an, da er gut 
sichtbar ist (z.B. durch auffllige, eigene Farbgebung des zumeist 
kastenfrmigen Locators; nderung der Rahmengre, soweit 
Rahmenvariante vorhanden) [Argus, Zoomtext].
	Einen Locator gibt es mittlerweile bei allen Systemen, wenn man in das 
1:1-Originalbild wechselt/umschaltet.

c) Damit der Benutzer immer an der Stelle ist, an dem eine Eingabe erwartet 
wird bzw. eine wichtige Meldung erscheint, ist es unablssig, da alle 
Cursorformen und -arten automatisch verfolgt werden (d.h. das grobild 
sprint zum aktuellen Cursor). Dies ist i.d.R. bei allen Systemen mittlerweile 
gegeben. Trotzdem sollte man immer testen, ob das System auch mit dem zu 
benutzenden Windows-Programm hinsichtlich dieser Beziehung gut luft. 
Schwierigkeiten beim Verfolgen des I-Balkens in Textverarbeitungspro-
grammen knnten gf. noch auftreten (z.B. Magnus), nicht immer werden alle 
Dialogboxen oder Meldungsfenster angesprungen.
	Beim Anspringen inversen Menbalken kannes vorkommen, da die 
Schrift nicht mehr ausreichend im Grobildfenster erscheint. Hier kann u.U. 
die Funktion zur Ausrichtung des Grobildfensters Abhilfe schaffen, d.h. der 
das Grobildfenster zeigt den Cursor (vorrangig die Maus) entweder immer 
im Fenster zentriert an oder er kann bis an ein bestimmtes ende oder 
definierten Bereich laufen bis sich der Grobildausschnitt ndert.

Bewegen des Grobildausschnitts
Alle Systeme ermglichen ein freis Bewegen ber das Gesamtbild  z.T. kann 
das Grobild dafr von der Curosrverfolgung abgekoppelt werden, d.h. die 
Cursorverfolgung wird ausgestellt. Wichtig ist dabei auch, da der 
Vergrerungsausschnitt ohne Ruckungen rollt. Insbesondere bei 
Vergrerungen ber 2fach kann es schon vorkommen, da das Grobild-
fenster zum neuen Ausschnitt hpft und nicht weich hinrollt (z.B. LP-DOS, 
Argus).

Cursor-Routing
Was fr Braillezeile als mittlerweile notwendig angesehen wird, um beim 
Lesen im Text, aber an anderer Stelle als der aktuellen Schreibposition (bei 
Textverarbeitungssoftware) effektiv arbeiten zu knnen, gibt es bei 
Vergrerungssystemen kaum. Das sog. Cursor-routing, d.h. das 
Herbeiholen des schreibcursors an die aktuelle Leseposition des anwenders, 
gibt es beim Argus 3000 und (vermutlich) beim Virgo. Das neue WinMag-
System bietet diese ntzliche Funktion nur in DOS-Anwendungen.
Meist vernachlssigt sind die Handbuchgestaltung oder die on-line-
Hilfetexte. Teilweise sind die Grodrucke nicht bersichtlich genug gestaltet 
(Magic, Argus u.a.) und hilfreiche Illustrationen, die ich in den original 
englischsprachigen Handbchern fand, wurden weggelassen. illustrierte 
Manuals finden sich z.B. beim Lunar. Bildschirmhilfetexte gibt es bei 
Magnus und Zoomtext. 
	Nicht sehr anwenderInnenfreundlich ist es, wenn - wie beim Vista - das 
einstellungsmen noch in Englisch ist, also nicht bersetzt wurde.


Erfahrungen zu Sytemen

Am liebsten htte ich immer ein System, da alle Vorteile der einzelnen 
vereinbart, und da0 fr mglichst viele BenutzerInnen flexibel einstellbar ist. 
Aber die sgibt es natrlcih nicht.

Schwierigkeiten

Erwhnt habe ich schon, da die meisten Grobildsoftwares mit einem 
eigenen VGA-Treiber arbeiten, der die mglicherweise vorhandenen 
Funktionen und Auflsungsverbesserungen eines SVGA-Treibers 
ausschaltet.
	Entgegen aller Aussagen des Vertreibers habe ich z.B. bei allen den 
mir zur Verfgung sthenden Grafikkarten Schwieriglkeiten mit dem 
eigentlich guten (s.o.) Lupenfenster bei MagicDeluxe gehabt, d.h. das 
Fenster blieb nicht stabil, sondern fiel in sich zusammen und war nicht mehr 
nutzbar. Auch dies drfte bei Problemen des eigenen VGA-Treibers mit den 
eingebauten Grafikkarten liegen.

Beim LP-DOS (LP-Audio) gibt es nur ein Gesamtbildfenster unter Windows. 
Das ist vorallem ziemlich unkonfortabel beim Lauftext, weil die Leseteile 
anch demm Zeilensprung gar nicht wiedrzufinden ist, man nach dem neuen 
Anfang der Folgezeile sucht. Leider haben auch Magnus und Lunar nur eine 
Gesamtbildeinstelluung fr Windows.


Vorteile

Gute Eigenschaften in Einzelpunkten gibt es aber auch zu nennnen. Lunar 
verggt ber eine definierbare Farbgebung fr den Cursor und dies 
wiederum mit unterschiedlichen Farben - wenn gewnscht - fr verschiedene 
Programmfenster; eine Eigenschaft , die den Mauszeiger nicht nur besser 
sichtbar macht, sondern auch bei der Orientierung, in welchem Fenster man 
sich befindet, dienen kann.

Das ntzliche Cursor-Routing gibt es bei WinMag nur im DOS-Modus. Argus 
2000 hat ein Cursor-Routing ebenfalls auf DOS-Ebene; beim Grafik- und 
Windows-orientiertem Argus 3000 gibt es nun auch endlich ein Cursor-
Routing unter Windows - zu wnschen ist jetzt die Kombination beider 
ARgus-Varianten (soll im Gesamten ber eine OCR-Abtastung gelst 
werden).

Magnus. als Windows-Lsung, bietet den kostengnstigsten Preis und mag 
mit seinen Funktionen vielleicht schon ausreichen. Lunar (Windows-Modul) 
ist etwas teurer, bietet aber auch mehr.

Funktional gut war bereits Zoomtext Plus fr Windows. In der 5.0er Version 
sind erhebliche Funktionserweiterungen und -verbesserungen 
hinzugekommen. Zoomtext arbeitet ohne eigenen VGA-Treiber und ist daher 
wesentlich besser Grafikkarten-kompatibel. 
	Lupen- und Zeilenfenster lassen sich in variabler Gre mit 
Cursorverfolgung mit fhren oder an einer Bildschirmposition fixieren. hier 
gibt es auch eine vertikale Bildteilung, z.B. geeignet fr 
tabellenkalkulationsprogramme. Bei Zoomtext lt sich ein zweites 
Grobildfenster einschalten und durch Cursorabkopplung ggf. als stndiges 
Meldungsfenster an einer Position fixieren.


Literatur:
Davis, Noala/ Denton, Barbara: Acomparison of three magnification 
systems; RNIB (ED&TU Report), 1994 (unpubl.)
Denton, Barbara: "Computers At Work" in: New Beacon, Mrz 91, 
75. Jg; Nr. 885, S. 110-113
Employment development & Technology Unit (RNIB): Faczsheet, 
Screen Magnification Systems (unpigl.) , London, 1995
Gill, J.M.: Equipment for the visually Disabled (Katalog, Hrsg.: RNIB), 
London, 1990, Kap./S. 22.1-22.8
Orme, Richard: Windows Briefing, EDTU-Bulletin, RNIB, 1995


